Logo
- Christliche Schule in freier Trägerschaft -

Das Märchen vom weisen Prinzen

(Märchengrundidee: Nathanael Götte , 9 Jahre; Ausformulierung mit Hilfe von Josias Götte, 11 Jahre und Joshua Götte, 17 Jahre)

 

Es war einmal vor langer, langer Zeit, in einem weit entfernten Land ein König,
der hatte 5 wunderschöne Töchter. Das Besondere an ihnen war nicht ihr güldenes Haar oder eine besondere Singstimme -  nein.
Das besondere an diesen 5 Schwestern war, dass sie allesamt gleich aussahen, denn sie waren als 5-linge zur Welt gekommen.
Sie unterschieden sich in keiner Einzelheit ihres Aussehens. Selbst für ihre Eltern war es schwer möglich sie auseinander zu halten.
Die Namen der Prinzessinnen lauteten Anna, Emma, Lara, Sandra, Lena.
Anna war die jüngste der 5 Geschwister. Obwohl sie ja alle am selben Tag zur Welt gekommen waren, war sie die letzte gewesen, und das bekam sie oft zu spüren.
Ihr ganzes Leben sollte sie immer die Letzte bleiben, die andern 4 hatten sich gegen sie verschworen. Sie wurde oft aus ihren geheimen Spielen ausgeschlossen und so war sie meist allein in ihrem Zimmer und malte.
Schon immer hatte Anna sich den perfekten Traumprinzen gewünscht und in jeder möglichen Art überlegt wie er wohl sein solle: klein oder groß, dick oder dünn, reich oder superreich? Welche Haar- oder Augenfarbe? Ob er denn auch nett zu ihr wäre?


Es war eigentlich ein ganz normaler Tag. Anna saß in ihrem Zimmer auf dem großen Sessel und war grade mal wieder fleißig am Malen, als es an der Tür klopfte.
Herein kam ihre Zofe, die sie in den Thronsaal brachte, da anscheinend ihr Vater sie alle sehen wollte. Als sie in den Thronsaal kam fand sie ihre anderen Schwestern und ihren Vater schon allesamt vor, doch da war noch eine Person, die sie nicht wirklich erkennen konnte. Als ihr Vater Annas Namen rief, drehten sie alle zu ihr um, auch diese geheimnisvolle Person. Als sie diese Person erblickte wäre sie fast ihn Ohnmacht gefallen. Es handelte es sich um einen jungen Prinzen, nicht viel älter als sie selbst. Aber er war perfekt! Genau wie Anna ihn sich schon immer vorgestellt hatte!

Sie ging mit gesenktem Haupt zu allen rüber, da es ihr peinlich war, dass sie wieder erst als letzte da war. Sie stellte sich neben ihre Schwestern und hörte leise zu, was ihr Vater und der junge Prinz miteinander berieten. „ Nun können wir ja fortfahren“, sagte ihr Vater und wendete sich wieder an den jungen Prinz. „Jetzt ist auch meine letzte Tochter endlich eingetroffen. Nun mein junger Freund, du hast die Qual der Wahl. Du kannst dir eine meiner Töchter aussuchen. Egal welche, sie soll deine Frau werden.“ Der Prinz begutachtete die 5 ganz genau, lief um sie rum, lies sie etwas sagen und stellte ihnen Fragen.


Anna gab sich große Mühe, ihn von sich zu überzeugen, denn sie mochte seine ganze Art - einfach alles an ihm. Aber irgendwie konnte er sich nicht entscheiden. Die Schwestern machten sich alle große Sorgen, warum er nicht endlich etwas sagte. Als er schließlich den Mund aufmachte, stand die Zeit für einen Moment still. Die Mädchen konnten es kaum erwarten, bis er seine Entscheidung verkünden würde - doch was er sagte war gar nicht was die 5 Schwestern erwartet hatten.
„Nun, ihr seid euch alle sehr ähnlich! Es ist wirklich schwer zu sagen wer mir am besten gefällt. Daher habe ich eine Aufgabe für euch. Ich gebe jeder von euch 100 Goldmünzen. Wer mir am besten zeigen kann wie schön er ist, wird meine Prinzessin.“ Mit diesen Worten übergab er jeder einen Beutel mit Goldmünzen und schickte sie los.


Die 4 älteren Schwestern gingen direkt zum schönsten und größten Laden für Schmuck und Kleider in der Stadt und fingen an, verschiedenste Sachen anzuprobieren. Sie kritisierten sich gegenseitig und versuchten immer besser auszusehen als die Andere. Das ging so weit das die Schwestern sich total stritten und nicht mehr miteinander reden wollten.


Während diese sich stritten ging Anna alleine durch die Stadt, verzweifelt auf der Suche nach etwas ganz besonderen, womit sie ihren Traumprinzen erobern könnte. Sie wollte nicht mit ihren Schwestern in den Laden gehen, da sie von ihnen nur wieder geärgert werden würde.
Als sie so durch die Straßen ging kam sie nach einiger Zeit in das viel ärmere Viertel der Stadt und langsam wurde ihr bewusst, dass sie kaum noch Zeit hatte. Da verließ sie langsam der Mut. Es war schon sehr spät und sie hatte kaum noch eine Möglichkeit irgendetwas Schönes zu finden. Betrübt schaute sie auf den Beutel mit Gold in ihrer Hand und überlegte, was sie nun mit dem Geld anfangen wollte. Da fiel ihr am Straßenrand eine Familie auf, die sehr dreckig aussah. Diese suchten grade im Müll einer Bäckerei nach etwas Essbaren. Wie sie diese Familie so beobachtete bekam sie Mitleid mit diesen armen Menschen. Also ging sie fest entschlossen rüber und tippte dem Vater auf die Schulter. Als er sich umdrehte erschrag sie beinah, weil er gar nicht so gepflegt und gesund aussah, wie sie es von ihrem Vater gewöhnt war. Nein, er sah sehr dreckig aus. Man konnte jeden einzelnen Knochen in seinem Gesicht sehen, so abgemagert sah er aus!
Sie bekam etwas Angst und gab ihm schnell den Beutel mit Geld und rannte weg, weil es schon dunkel war und sie nicht zu spät kommen wollte. Im Wegrennen drehte sie sich noch einmal um und sah ein Lächeln auf dem Gesicht des Mannes. Das zeigte ihr, dass sie etwas Gutes getan hatte.

Doch als sie im Schloss ankam war sie sich unsicher, weil sie jetzt erst bemerkte wie dreckig sie war - von der Gosse und dem Rennen. Sie ging sehr beschämt in den Thronsaal und es kam wie sie es erwartet hatte. Ihre Schwestern sahen natürlich atemberaubend aus, eine schöner als die andere! Diese fingen lauthals an zu lachen als sie ihre letzte Schwester reinkommen sahen - total dreckig und alles andere als schön.
Jedoch - der Prinz kam direkt auf Anna zu, nahm sie in den Arm und küsste sie. Alle im Raum waren völlig verwundert, denn sie gingen natürlich davon aus, dass er eine der schönen Schwestern nehmen würde und nicht die dreckige. Auch Anna war total verdutzt. Als er das bemerkte sagte er: „Ich habe euch heute den ganzen Tag beobachtet um zu sehen wie ihr miteinander und anderen umgeht. Bei deinen Schwestern war ich sehr enttäuscht! Sie haben sich nur gestritten, angeschrien und waren gemein zueinander. Ich erkannte sofort dass sie kein gutes Herz haben. Mir ging es bei eurer Schönheit nicht um euer Äußeres, sondern um eure innere Schönheit - die, auf die es wirklich ankommt. Die habe ich bei Dir, Anna, gefunden, als Du das Geld der armen Familie gegeben hast.“
Mit diesen Worten nahm er sie auf den Arm, trug sie in seine Kutsche und fuhr mit ihr zu seinem Schloss, wo er sie am nächsten Tag direkt heiratete.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.    



Das Märchen vom weisen Prinzen

Das Märchen vom weisen Prinzen